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Objekt des Monats


An jedem ersten Dienstag im Monat um 18 Uhr präsentieren wir im Stadtmuseum im Gelben Haus das Objekt des Monats im Rahmen eines Kurzvortrages.

 

September 2017

52x Esslingen und der Erste Weltkrieg

Notgeld aus Esslingen: 50-Pfennig-Schein
1917
5,5x8,8 cm
(Stadtmuseum im Gelben Haus, STME 005477)


Im Verlaufe des Weltkrieges wurde auch in Esslingen das Kleingeld knapp. Die Menschen bemerkten den Wertverfall und horteten Münzen wegen ihres Metallwertes. Vor allem die silbernen ½-Mark-Münzen waren beliebt. In über 20 Sitzungen beschäftigte sich der Esslinger Gemeinderat während des Krieges mit dem Thema „Notgeld“. Im April 1917 beschloss er erstmals die Ausgabe von „Kriegspapiergeld“ in Form eines 50-Pfennig-Scheins, der ab dem 10. September 1917 an die Bevölkerung ausgegeben wurde.

Entworfen hat den Schein der renommierte Kunsthandwerker und Professor für Metallkunst an der Stuttgarter Kunstgewerbeschule Paul Haustein (1880-1944). Hergestellt hat die 500 000 Stück des im Mehrfarben-Lithographie-Verfahrens produzierten dreifarbigen Scheins der Esslinger J. F. Schreiber-Verlag zu einem Preis von 3900 Mark. Auf der Vorderseite sind eine Esslinger Stadtansicht, die Wertangabe, die Gültigkeitsdauer bis zum 1. September 1919, die Unterschrift von Oberbürgermeister Max von Mülberger und eine sechsstellige fortlaufende Nummer aufgedruckt. Auf der Rückseite sind Weinreben als Jugendstilornamente, das Stadtwappen - der Reichsadler mit Brustschild „CE“ (Civitas Esslingensis) -, Schwert und Hammer sowie die Jahreszahl 1917 zu sehen. Das Wasserzeichen in Form eines sternförmigen Musters sollte Fälschungen erschweren.

Gegen Ende des Krieges spitzte sich der Geldmangel weiter zu, da die Reichsbank wegen Personalmangels keine Scheine mehr nachdrucken konnte. Die Gemeinden sollten sich deshalb um die Ausgabe von 5-, 10- und 20-Mark-Scheinen kümmern. In den Jahren bis zur Hyperinflation 1923 versuchten Reichsbank, örtliche Banken und die Gemeinden reichsweit und auch in Esslingen durch die massenhafte Ausgabe, den Einzug und die Neuausgabe von Hunderttausenden von Geldscheinen der Lage Herr zu werden. So wurden im Oktober und am 1. November 1918 in Esslingen zunächst 20 000 Mark und weitere 75 000 Mark „Notgeld“ in 10-Mark-Scheinen ausgegeben. Während diese Scheine bereits im März 1919 wieder eingezogen wurden, verlängerte man nicht nur die Gültigkeit der 50-Pfennig-Scheine zunächst bis zum 1. Januar 1920, sondern der Gemeinderat beschloss sogar, weitere 200 000 Stück dieser Scheine drucken zu lassen, die, wie die alten 50-Pfennig-Scheine, die noch im Umlauf waren, dann bis 1. Januar 1921 gelten sollten.

Parallel dazu versuchten 16 Esslinger Industrieunternehmen, darunter Friedrich Dick, Fritz Müller, Merkel & Kienlin, F. W. Quist und die Maschinenfabrik Esslingen, eigenständig das Problem der Geldknappheit zu lösen. Vor allem an Zahltagen waren oftmals zu wenige Geldscheine verfügbar, so dass die Löhne und Gehälter nicht ausgezahlt werden konnten. Aus diesem Grund gaben die Firmen so genannte „Firmenscheine“ bzw. „Firmengutscheine“ als Ersatz aus, die dann bei der Bank eingelöst oder mit denen direkt in den Geschäften bezahlt werden konnten. Aus Esslingen sind 60 solcher Scheine bekannt. Diese von der Reichsbank nicht geduldete Praxis sollte von den Gemeinden verhindert und die „Gutscheine“ eingezogen werden. Dies gelang jedoch kaum.

Am 23. Oktober 1923, zum Zeitpunkt der Hyperinflation, ermächtigte der Gemeinderat die Stadt, weitere Notgeldscheine im Gesamtwert von 1000 Billionen Mark auszugeben. Wenige Tage danach wurde die Summe auf 3000 Billionen erhöht. Diese wurden in 500 000 Mark-, 10 Millionen Mark- und
schließlich am 7. November 1923 in 500 Millionen- und 1 Billion Mark-Scheinen ausgegeben. Viele der Scheine kamen allerdings nie in Umlauf, da der Werteverfall rasant war. Zudem waren sie bereits damals zu einem beliebten Sammlerobjekt der Zeitgenossen geworden.

Hier finden Sie weitere Informationen zum Projekt

"52x Esslingen und der Erste Weltkrieg".